AlphaMob: Memphis-Phonk made in Blankenese

7 Fragen, 8 Antworten mit dem Hamburger Produzenten

AlphaMob: Das steht nicht nur für in Fleisch und Blut übergegangene DIY-Mentalität – Nein, hinter diesem Pseudonym verbirgt sich auch ein waschechter Tausendsassa: DJ, Produzent, Musiklabel-Besitzer und Veranstalter einer Partyreihe sind in der Vita des Hamburgers aufgelistet.

Doch das ist nicht alles, mit dem der selbsternannte Schizophrenic Mane auftrumpfen kann. Zum Einen hat er den Grundstein dafür gelegt, dass es für deutsche Rapper wieder en vogue ist, ihre Werke auf Kassette zu veröffentlichen, zum Anderen versorgt er die Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper mit Produktionen, deren Cowbells und 808s dich vom heimischen Wohnzimmer straight auf die dreckigen Straßen Memphis’ in den 90er-Jahren katapultieren.

Am 18. Oktober veröffentlicht AlphaMob mit SWAFFLE PHONK 3 den letzten Teil seiner Mixtape-Trilogie, die 2017 als Ode an den originalen Memphis-Rap begann und wieder gespickt ist mit Gastbeiträgen des „Who is Who“ der Deutschrap-Szene: KeKe, Skinny Finsta, Caramelo, Jace, Opti Mane & eRRdeKa. Bevor es aber im Herbst ein letztes Mal „Swaffle Phonk ist back – alles andere ist bloß Trap” heißt, haben wir uns mit dem Hamburger Produzenten über Gleichberechtigung im Deutschrap, zu dicke Eier und sein anstehendes Release unterhalten.

Frage 1:
Deine Ursprünge liegen eigentlich im House und Techno. Wie kam es dazu, dass du angefangen hast, Memphis-Phonk zu produzieren?

Als Teenager bin ich aufgrund von HipHop zum aktiven Musikmachen gekommen und habe, wie viele in den 90ern, die klassische Eastcoast-Rap-Sozialisierung durchlebt. Nach meinem Umzug nach Hamburg bin ich dann stark in House und Techno reingerutscht, habe aber nebenher noch den Weg von der Westcoast in den Dirty South genommen. Vor allem Three 6 Mafia haben am Anfang viel dazu beigetragen, dass ich vom Sound aus Memphis gehooked war. Schon auf zwei bis drei Songs, die ich damals noch im House- und Techno-Bereich gemacht habe, kann man hören, was mir damals schon die ganze Zeit im Hinterkopf herumgeflogen ist: Hier sind die Hi-Hat-Pattern schon gar nicht mehr klassisch House oder Techno, sondern sehr trap-artig. Mein erstes AlphaMob-Release, die 503VIBEZ EP, stellte dann quasi die Verbindung zwischen dem, was ich als House- und Techno-Produzent gemacht habe, und dem, wo es mit AlphaMob hingehen sollte, her.

Frage 2:
Wie ist deine typische Vorgehensweise bei der Produktion von neuen Projekten?

Grundsätzlich arbeite ich viel mit Samples, hierfür mache ich gerne Sample-Sessions, sprich: Ich schließe mich zum Beispiel bei Freunden, die eine coole Plattensammlung haben, über Nacht ein und sample alles aus deren Sammlung heraus. Das mache ich schon seit fast 20 Jahren und habe dadurch eine große Anzahl an Samples, auf die ich zum Einen bei konkreten Ideen zurückgreifen kann, und die ich zum Anderen als Inspirationsquelle nutze. Zusätzlich arbeite ich mit analogen Synthesizern, weil ich ein Fan von haptischen Instrumenten bin und spiele dann so lange Melodien ein, bis ich entweder das Ziel erreicht habe, an das ich ursprünglich gelangen wollte, oder ich lasse mich von den Melodien tragen, bis das Ergebnis für mich persönlich schön klingt.

Frage 3:
Deine Releases erscheinen nicht nur digital, sondern auch analog auf Vinyl und Kassette. Was fasziniert dich so an diesen Medien?

Ähnlich wie bei analogen Instrumenten finde ich es auch hier schön, Musik in den Händen halten zu können. Ich denke, ein haptisches Medium wie Vinyl oder Kassette , bietet dem Geschaffenen eine größere Wertschätzung. Man gibt der Musik quasi ein schönes Zuhause und hat sie nicht nur in Form von Nullen und Einsen in einem Ordner abgespeichert (lacht). Es ist mir aber auch wichtig zu erwähnen, dass das Eine das Andere nicht ausschließen soll. Ich möchte auch nicht in einer Zeit ohne MP3s und WAV leben … Auf keinen Fall, das wäre ja auch katastrophal! Die digitalen Medien sind schon eine schöne Sache.

Frage 4:
„Mehr Davon“ ist die erste Single-Auskopplung von SWAFFLE PHONK 3, darauf ist die aufstrebende Wiener Newcomerin KeKe zu hören. Wie kam dieser Kontakt zustande?

Letztes Jahr zur Weihnachtszeit habe ich eine Adventsaktion über Instagram gestartet, bei der ich Merchandise verlost habe. Im Zuge der Verlosung wollte ich von den Leuten gerne wissen, welche neuen Artists ich unbedingt hören sollte. Hier wurde mir KeKe in den Kommentaren vorgeschlagen … Das war, glaube ich, sogar kurz nach der Veröffentlichung ihres Tracks „Validé“  feat. Lent. Die Kontaktaufnahme erfolgte dann auch relativ zeitnah. Von welcher Seite die Initiative ausging, weiß ich aber ehrlich gesagt selbst nicht mehr so genau. Allerdings wurde ich, unabhängig davon, kurze Zeit später von ihrem Manager Maximilian Matschnig, der das Musiklabel MOM I MADE IT leitet, für eine Party zum Auflegen nach Wien gebucht … So hat sich der Kreis geschlossen, und die Connection war hergestellt. Leider konnten wir für „Mehr Davon“  nicht zusammen ins Studio gehen, wir haben uns dann aber zum gemeinsamen Videodreh in Berlin getroffen. 

Frage 5:
KeKe ist unter anderem auch auf den Alben von Felix Kummer und Trettmann vertreten. Aber auch andere weibliche MCs und DJs im Deutschrap-Kosmos bekommen nach und nach endlich die Plattform, die ihnen zusteht. Denkst du, Deutschrap hat das mit der Gleichberechtigung endlich verstanden?

Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, die aber sicherlich noch ausbaufähig ist. Das Thema liegt mir auch schon lange sehr am Herzen … Als jemand, der mit starken Frauen groß geworden ist, war es für mich schon immer befremdlich festzustellen, dass Unterscheidungen zwischen Frau und Mann gemacht werden. Aber man kennt das ja, wenn man seine Bubble verlässt, ist man oftmals irritiert, dass die Realität doch anders aussieht. Gespürt habe ich das vor allem, als ich von der House- und Techno-Welt in die HipHop-Welt eingedrungen bin, wo dieses Dicke-Eier-Gehabe praktiziert wird … Awareness ist wichtig, und ich finde jeder sollte seinen Beitrag dazu leisten, Ungerechtigkeit zu beseitigen. 

„Die Fotos habe ich bewusst gemacht, um alle testosterongesteuerten HipHopper zu irritieren.”

Frage 6:
Dein Credo lautet: „Swaffle Phonk ist back – alles andere ist bloß Trap”. Möchtest du damit auf etwas Bestimmtes anspielen?

(lacht) Die ursprüngliche Idee hinter der SWAFFLE PHONK-Reihe war die Spiegelung meiner DJ-Sets auf den Mixtapes. Ich lege grundsätzlich nicht abrissorientiert auf. Mir geht es viel mehr um den Vibe, und ich empfinde es eher als anstrengend, wenn einem ein Rapper die ganze Zeit ins Ohr schreit. Deswegen gehen auf SWAFFLE PHONK Instrumentals und Tracks mit Feature-Parts Hand in Hand.

Frage 7:
Du bist DJ, Produzent, (Mit-)Veranstalter der Partyreihe
Nite Of The Trill”, Musiklabel-Besitzer und Familienvater – hast also ziemlich viel um die Ohren. Was ist dein Geheimrezept, um entspannt und ausgeglichen zu bleiben?

Es ist nicht so, als würde ich gelegentlich nicht auch mal ausrasten (lacht). Aber man sollte einfach nicht zu viel darüber nachdenken, was scheiße ist, sondern das, was scheiße ist, beseitigen und fokussiert bleiben. Natürlich staut sich Stress auch manchmal auf und führt dazu, dass man explodiert – was vielleicht im ersten Moment auch gar nicht so schlecht ist, weil die negative Energie verpufft. Danach sollte man sich aber aktiv mit seinen Problemen auseinandersetzen und an einer Lösung arbeiten.

Antwort 8:
Weniger arbeiten, weniger Ego, weniger Handy, mehr durchatmen, mehr Gelassenheit, mehr träumen. Und Katzen.

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