Brenk Sinatra: 7 Fragen, 8 Antworten

Musik, um durch die Nacht zu kommen

Man muss kein Nerd sein, um die Westcoast-geprägten Beats aus dem Hause Brenk Sinatra unter tausenden anderen und auf einhundert Meter Distanz als eben solche zu erkennen. Durch die einzigartige Melange aus wabernden Bässe und elliptischen Schweineorgeln hat sich der Wiener Produzent längst zu einer Galionsfigur urbaner Instrumental-Kultur gemausert … Und das weit über die Grenzen des deutschsprachigen Raumes hinaus.

Vier Jahre nach Veröffentlichung seines Beat-Klassikers MIDNITE RIDE schickt sich Brenk dieser Tage an, mit dem zweiten Teil des vielzitierten Solo-Projekts aufzutrumpfen. Nachdem sich das Betty-Ford-Boys-Member zuletzt hauptsächlich der Produktion prominenter Deutschrap-Platten gewidmet hat, ist nun also endlich wieder Zeit für stichhaltige Alleinunterhaltung.

Frage 1:
Dein Album soll die Begleitmusik für nächtliche Autobahntrips liefern, richtig?

Ja, zumindest ist es gut für dieses Setting geeignet. Innerhalb meiner Musik geht es immer um spezielle Stimmungen, um Vibes. Danach ist auch mein eigenes Konsumverhalten ausgerichtet: Ob ich einen Song gut oder schlecht finde, hat nichts mit seinem Genre zu tun … Oder damit, ob er schnell, langsam, entspannt, böse, laut oder leise ist. Wichtig ist einfach, dass er sich gut anfühlt. Und mit dieser Einstellung ist auch mein Album entstanden: Es war mir wichtig, dass die Mood sofort mit der Nacht verbunden ist und die Tracks in ihrer Gänze ein Kopfkino auslösen.

Frage 2:
Der Aufhänger des Projekts lässt vermuten, dass du zuletzt selbst viel im Auto unterwegs warst.

Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich in den letzten Jahren viel mehr Zug als Auto gefahren (lacht). Natürlich spielt die Platte stark mit dem Motiv des Autofahrens, alleine durch ihren Titel, die Umsetzung der Videos und ihr Cover. Aber man sollte sie nicht darauf beschränken. Vielmehr geht es darum, dass man MIDNITE RIDE II bestenfalls in einem Moment hört, in dem man in Bewegung ist und irgendwie die Möglichkeit hat, aus dem Fenster zu schauen. Schon als kleines Kind war ich während unserer Familienurlaube auf dem Rücksitz immer so in mein Kopfkino vertieft, dass ich kaum ansprechbar war … Und genau diesen Modus hat mein erwachsenes Ich jetzt quasi in Musik verarbeitet.

Frage 3:
Zuletzt hast du eher im Rahmen von Kollabo-Projekten von dir Reden gemacht, hast ganze Alben für Morlockk Dilemma und Said produziert. Brauchtest du mal wieder eine Abwechslung zur Arbeit im Tag-Team?

Nicht unbedingt. Aber mir ist schon irgendwann bewusst geworden, dass es mal wieder an der Zeit war, ein Soloalbum rauszuhauen und zurück zu meinen Wurzeln zu gehen, die ich in der Zwischenzeit vielleicht manchmal ein bisschen vernachlässigt habe. Ursprünglich komme ich ja aus dieser Instrumental-Welt. Ich habe mir niemals vorgenommen, irgendeinen Rapper und Sänger zu produzieren … Da bin ich wirklich ganz klassisch reingerutscht (lacht).

Frage 4:
Auffällig ist, wie international MIDNITE RIDE II ausgerichtet ist. In der Liste der Featuregäste findet sich neben anderen prominenten Namen auch Ami-Rap-Legende Bad Azz. Woher kommen diese krassen Connections?

Das Netzwerk ist mit den Jahren kontinuierlich gewachsen. Insbesondere die Kontakte in die Staaten kamen in weiten Teilen natürlich durch die gemeinsamen Sachen mit MC Eiht. Aber ich habe das nie erzwungen. Ich schreibe so gut wie nie irgendwelche Rapper an. Und wenn ich es doch mal mache, dann einfach nur, um jungen und unbekannten Leuten zu sagen, dass ich abfeiere, was sie da machen. Ohne großen Hintergedanken, sondern einfach, weil ich weiß, wie sehr ich mich damals gefreut hätte, wenn mir irgendein bekannter Rapper oder Producer geschrieben hätte, dass er meine Sachen dope findet.

Frage 5:
Wie immer wagst du den Drahtseilakt zwischen Boom-Bap und Trap. Siehst du dich als eine Art Bindeglied zwischen den Rap-Generationen?

Tausendprozentig! Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich mit Gleichaltrigen zum Teil gar nicht mehr über Musik labern konnte und war es einfach satt, dass so viele Leute in meinem Umfeld behauptet haben, dass man „nichts mehr nach neunundneunzig“ hören könne und früher alles besser war. Das stimmt halt einfach nicht. Die Leute sind nur einfach zu faul und engstirnig, nach guten neuen Sachen zu suchen. Auch deshalb habe ich immer viel Zeit mit jungen Talenten – besonders aus Wien und Berlin – verbracht. Da ging es mir nie um Kohle, sondern einfach um Inspiration. Ich hatte da einfach keine Berührungsängste … Ich war ja schon in meiner Jugend der einzige, der gleichermaßen mit den Jugos vom Fußballplatz und den Jungs aus dem Schachclub klarkam (lacht).

Frage 6:
Wirst du das neue Album auch in die Live-Situation umsetzen?

Auf jeden Fall! Es ist eine Tour geplant, da kommen in den nächsten Wochen konkrete Infos. Wer schon mal bei einem Gig der Betty Ford Boys Show war, weiß, dass ich keine verkopften Shows à la Kraftwerk spiele, sondern eher mit einem breiten Spektrum an Edits und Remixes auftrumpfe und nebenbei viel Spaß mit viel Schnaps habe (lacht). Diesmal haben wir außerdem eine komplette Video-Playlist mit Visuals zum Album gebastelt, vielleicht bringen wir die ja mit auf die Bühne …

Frage 7:
Apropos Bühne. Wirst du noch oft auf den Red Bull Culture Clash angesprochen?

Klar, sogar ziemlich häufig. Aber ich glaube, dass zu diesem Thema eigentlich alles gesagt ist. Der Abend ist halt scheiße gelaufen und wir werden sowas wohl eher nicht mehr machen … Solche Events sind schwierig, und gerade in diesem Fall was das alles nicht so ganz zu Ende gedacht.

Antwort 8:

Großes Ja! Allerdings mache ich so viele Sachen gleichzeitig, dass ich da noch nicht zu viel versprechen oder eine Frist setzen will. Aber ich habe ja vorhin schon gesagt, dass ich Bock habe und bereit bin, Brücken zur jungen Generation zu schlagen. Grade bin ich mit den üblichen Verdächtigen zu Gange. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich da neue Sachen ankündigen kann.

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