Cari Cari: Wenn Voodoo und Tarantino aufeinander treffen

7 Fragen, 8 Antworten mit dem österreichischen DIY-Duo

Laut Google handelt es sich bei Cari Cari ganz schlicht um eine österreichische Indie-Rock-Band. Ganz so einfach ist es hier mit der Zuordnung jedoch nicht. Zugegeben, getroffen haben sich Alexander Köck und Stefanie Widmer in Wien. Er hat sie beim Musizieren erwischt, war sofort begeistert und hat sie für ein gemeinsames Projekt ins Boot geholt. Dass es sich bei der Musik aber nicht nur um klassischen Indie-Rock handelt, konnten die ersten Erfolge des DIY-Duos zeigen: 2016 wird der Song „White Line Fever“ in der US-Amerikanischen Hit-Show „Shameless“ gleich mehrere Male verwendet, 2017 trug ihr Song „No War“ zum Soundtrack der zweiten Staffel von „The Magicians“ bei.

Hört man sich in die Musik von Cari Cari erstmal rein, kann man sich in die Köpfe der Produktionsteams hinter den Serien schnell hineinversetzen: Die Band schafft durch ihre Experimentierfreudigkeit eine Mischung aus kontemporärem Pop, Rock und moderner Filmmusik. Die wird auch gekonnt in den Musikvideos, aber vor allem auf der Bühne in Szene gesetzt. Bespielt hat Cari Cari mittlerweile fast die ganze Welt und wurde über die vergangenen Jahre immer wieder als kleines Festival-Highlight bezeichnet. Indie-Filmmusik scheint wohl zu funktionieren, oder?

Doch bevor wir hier gleich wieder in Schubladen denken, haben wir das charismatische Duo bei einem Plausch selbst gefragt, wie sie ihre Musik bezeichnen würden. Außerdem erzählen sie uns von ihrer Verbindung zu Quentin Tarantino und was Heimat bedeutet, wenn man doch eigentlich nur unterwegs ist. Wie jedes Mal bei unseren „7 Fragen, 8 Antworten“ wurde uns zum Schluss des Gesprächs eine Frage beantwortet, die wir doch nie gestellt haben.

Frage 1:
Um mal mit dem Wesentlichen anzufangen: Was steckt hinter dem Namen Cari Cari?

Alexander: Das ist ein Geheimnis. Vermutlich deswegen, weil die eigentliche Geschichte nicht wirklich spannend ist. Was aber geheimnisvoll und mysteriös wirkt, bleibt spannend.

Frage 2:
In einer Welt von Genre-Crossover: Wo würdet ihr euch stilistisch einordnen?

Alexander: Wir haben damit schon viel gestruggled. Irgendwann hat mal jemand geschrieben, wir machen „brachialen Country-Surf-Rock“. Ich dachte mir so: Was soll das denn bitte heißen? (lacht)
Wenn man unser Album hört, stellt man fest, dass es Anleihen aus unterschiedlichen Ecken gibt: Elemente aus dem HipHop, aus klassischem Rock oder Mississippi-Delta-Blues. Ich höre beispielsweise sehr viel elektronische Musik, was letztendlich die Produktion ausmacht. Was uns vor allem wichtig ist, ist Patina, also Ecken und Kanten. Das wird auch in der Filmmusik von Quentin Tarantino verwendet. Die gemeinsame Klammer ist so … wie ein Tarantino-Soundtrack!

„Bei uns soll es sein, als würde man wie bei ,Alice im Wunderland’ in den Kaninchenbau abstürzen.“

Frage 3:
Aber das Filmische geht bei euch über die reine Musik hinaus, oder?

Alexander: Wir arbeiten beide einfach sehr visuell. Stefanie macht alle Grafiken und Illustrationen, bei all unseren Videos führen wir gemeinsam Regie und denken uns die Konzepte aus. Bei uns ist ein Lied erst dann fertig, wenn wir einen Film dazu im Kopf haben. Das Visuelle und Klangliche geht immer Hand in Hand. Dieser Bezug war nicht von Anfang an geplant, aber als wir unsere erste EP in Eigenregie veröffentlicht haben, bekamen wir schnell Anfragen, unsere Musik in Hollywood-Produktionen und Serien laufen zu lassen. Erst kürzlich wurde ein Song von uns sogar für die weltweite Kampagne von „Guinness“ verwendet.

Frage 4:
Reisen gehört ja auch zu eurem Job dazu. Ihr wart schon weltweit auf Festivalbühnen und habt euch in Wien kennengelernt, gelebt habt ihr schon in Hamburg, London und Madrid. Wo fühlt ihr euch daheim und was bedeutet Heimat mittlerweile für euch?

Stefanie: Lustigerweise habe ich mich tatsächlich vor Kurzem daheim gefühlt als wir nachts durch Hamburg gefahren sind. Ich sah den Hafen, die ganzen Lichter und habe gemerkt, dass ich zumindest etwas Zuhause bin. Für mich sind es Orte, an denen man sich wohl fühlt. Da fühle ich mich daheim. Es beschränkt sich nicht auf einen Ort.

Alexander: Ich weiß nicht, ob das jetzt das „Indigene“ erklärt, aber vielleicht liegt es daran, dass weder ich noch Stefanie wirklich gute Instrumentalisten sind. Wir haben weder Schlagzeug noch Gitarre klassisch gelernt, wir legen einfach los, und es entstehen manchmal eher einfachere Melodien. Uns ist auf Festivals aufgefallen, dass Leute schnell darauf reagieren. Auch Kinder.

Frage 5:
Euer neustes Video zu
„ANANNA“ könnte ebenso gut aus einem klassischen Western zusammengeschnitten sein. Es gibt auch einige indigene Einflüsse im Song selbst. Stefanie sieht man in passenden Kostümen. Wie kam das alles zustande?

Stefanie: Das ist uns bei einem Auftritt aufgefallen, als fünf Kinder in der ersten Reihe mit dabei waren und sofort in die Musik miteingestiegen sind. Da fragt man sich, wo das herkommt. Es sind eben Klänge, die schon fast urinstinktiv etwas auslösen in uns Menschen.

Alexander: Bezüglich „ANANNA“: Unsere erste Tour war ja in Australien, danach waren wir noch zwei Wochen in Neuseeland. Dort haben wir das erste Mal das Wort „ANANNA“ aufgeschnappt und uns mit den dortigen Kulturen und der Natur beschäftigt. Faszinierend sind vor allem die Vulkane und Geysire. Der Titel für den Song war von Anfang an „Lava“, da er sich wie ein Vulkanausbruch angefühlt hat. „ANANNA“ hat in dem Zusammenhang mehrere Bedeutungen und beschreibt Vieles rund um Ruhe und Erdenergie, aber auch Sonne und Schein. Später sind wir auch darauf gekommen, dass es auf grönländisch „Mutter“ bedeutet. Nach und nach hat sich dann ein Konzept für uns erschlossen, und wir sind darauf gekommen, eine „Sonnenmutter“ oder „Sonnengöttin“ zu erschaffen, die Stefanie dann im Video dazu spielt. Dazu kamen noch Voodoo, Masken, schwarze Magie. All das haben wir beim Spielen des Songs gesehen und haben es so visuell umgesetzt.

Frage 6:
Wollt ihr demnach euer Publikum dadurch abholen, dass ihr ihnen erlaubt, sich in andere Welten zu träumen?

Alexander: Bei uns soll es sein, als würde man wie bei „Alice im Wunderland“ in den Kaninchenbau stürzen. Die Musik, die Videos und die Shows sollen das Gefühl vermitteln, dass man sofort in die Welt von Cari Cari reinrutscht. Wir entfliehen kurz dem Alltag, das wollen wir auch unserem Publikum bieten.

Stefanie: Dadurch wollen wir uns auch manchmal wieder fühlen wie Kinder. Wie damals, als man im Kinderzimmer die Decken als Zelt aufgebaut und Theater gespielt hat. Diese Welt war ehrlich.

Frage 7:
Die Eindrücke eurer Reisen spiegeln sich in der Musik und der Performance wider. Fremde Kulturen, indigene Traditionen. Vor allem bei
“ANAANA” ist das zu spüren. Fühlt ihr euch dadurch manchmal dem Druck von Cultural Appropriation ausgesetzt?

Alexander: Nein, eigentlich nicht. Aber wir haben darüber diskutiert. Unsere Musik ist sehr natürlich entstanden und hatte immer diese eher urtümlichen Rhythmen. Das ist aber wohl dem geschuldet, dass wir beide Dilettanten sind und Stefanie zu den Aufnahmen unserer EP das erste Mal hinter einem Schlagzeug gesessen hat. (lacht)
Künstlerischer Output ist für mich die Summe aller Erfahrungen und Einflüsse, denen man als Mensch ausgesetzt ist. Ein Teil meiner Familie stammt aus Marokko, Gnawa hat mir schon als Kind gefallen. Warum sollte ich mich dagegen wehren? Deshalb ist es meiner Meinung nach ebenso naheliegend, dass wir ein Didgeridoo verwenden, genauso wie die Tatsache, dass es deutschen HipHop oder Dancehall gibt. Ich glaube, dass die Vermischung von Kulturen in der Popmusik immer schon ein Antrieb für Innovation war. Kulturelle Grenzen zu überspringen, finde ich deshalb eigentlich wünschenswert. Sonst würde es keinen Blues, Rock’n’Roll oder HipHop geben.

Stefanie: Unser Musikvideo für “ANAANA” ist als Hommage an B-Movies gedacht. Ich sehe es eher als popkulturelles Zitat, als eine Darstellung einer bestimmten Kultur. Aber trotzdem: Es ist wichtig, aufmerksam und sensibel mit dem Thema umzugehen. Ich fände es spannend, länger darüber zu diskutieren, aber ich befürchte, damit sprengen wir den Rahmen dieses Interviews.

Antwort 8:

Alexander: Sterni.

Stefanie: Luna.

Guess what? Cari Cari gehen auf Tour! Tickets gibt’s hier.

20.10.19 – Bielefeld, Movie
21.10.19 – Berlin, Festsaal Kreuzberg
22.10.19 – Leipzig, Werk 2
23.10.19 – Frankfurt, Zoom
25.10.19 – Stuttgart, ClubCANN
26.10.19 – Hannover, Mephisto
27.10.19 – Köln, Yuca
28.10.19 – München, Amper
(sold out)

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