COMA: Zwischen Pop-Hymnen und Frickel-Experiment

Das Kölner Elektronik-Duo reist von seinen Anfängen ins Jetzt

Daft-Punk-Vocoder, stampfende Kraftwerk-Maschinenbeats und cheesy Melodien, wie man sie von Kompakt Techno-Pop-Acts wie Justus Köhnke oder Jürgen Paape kennt: Das Kölner Elektronik-Duo COMA spannt auf seinem neuem Album VOYAGE VOYAGE den Referenzrahmen auf und schlägt die Brücke von den Anfängen ihrer gemeinsamen musikalischen Reise ins jetzt. 

Aufgewachsen in der niederrheinischen Provinz begann diese Reise für Georg Conrad und Marius Bubat bereits mit diversen Bandprojekten während der Schulzeit. Richtig Fahrt nahm sie allerdings erst 2003 mit dem Umzug nach Köln auf. In ihrer gemeinsamen WG experimentierten sie als COMA in ihrem Homestudio mit Synthesizern und Drum Machines, ohne die Liebe zum klassischen Band-Set-Up zu vernachlässigen. Damit trafen sie den Nerv der Zeit – mit Hot Chip und LCD Soundsystem wurden gerade Bands groß, die sich bewusst an der Schwelle zwischen Club und Indie-Rock positionierten. 

Straight elektronisch mit Pop-Feeling

Bei einem Gig während des c/o-Pop-Festivals 2007 entdeckte sie Tobias Thomas aus dem Umfeld des einflussreichen Kölner Labels Kompakt. Er buchte COMA für die Kompakt-Partyreihe Total Confusion – wahrscheinlich Kölns einflussreichste Party für elektronische Musik zu der Zeit. „Das war für uns ein Ritterschlag, da spielen zu dürfen“, erinnern sich COMA heute. Dabei konnten sie mit Clubkultur als solcher damals eigentlich gar nicht so viel anfangen, gingen privat eher auf Konzerte, als raven.

„Das Kompakt-Umfeld war ja schon straight elektronisch, aber mit einem Pop-Feeling, das was man später den ,Sound of Cologne’ nannte. Bei Kompakt sind Leute, die nicht ihr Leben lang nur elektronische Tanzmusik gehört haben. Das ist elektronische Musik von Leuten, die immer schon einen Zugang und ein Faible für Popmusik hatten. Das merken auch Leute, die zum ersten Mal damit in Berührung kommen – wie wir.“ Dass COMA nicht den Sound für die Peaktime auf dem Dancefloor lieferten, war daher kein Problem. Ihre Tracks funktionieren eher in den frühen Morgenstunden, während der emotionalen Closing-Momente, wenn sich alle noch einmal selig taumelnd in den Armen liegen und niemand möchte, dass die Party endet.

Auch VOYAGE VOYAGE steckt voll solche emotionaler Höhepunkte. Die wabernden Synthflächen und pluckernden 80s-Arpeggios in „Snurrebassen“ erinnern an das Stranger-Things-Theme und lösen, wie die Serie, sofort dieses unbestimmte Gefühl der Nostalgie für eine Zeit aus, die man selbst nie erlebt hat, und sie dadurch wahrscheinlich umso mehr betrauert. Das epische „Sparkle“ lässt an Caribou denken, der sich irgendwo zwischen Pop-Hymne und Frickel-Experiment verliert.

In schönster Daft-Punk-Referenz verweist einzig „Inside Out“ mit den hochgepitchten Vocoder-Stimmen, tanzbarem Groove und cheesy Synth-Hooks noch wirklich an den Dancefloor. Ansonsten beweisen COMA auf VOYAGE VOYAGE vor allem, dass sie auch exzellente Songwriter sind. „A Train“ ist ein melancholischer Herzschmerz-Song übers Verlassenwerden, „Bits and Pieces“ eine deutliche Wiederentdeckung ihrer Liebe für treibenden Indie-Rock. Bleibt abzuwarten, wer sich die eingängigen Songs in Zukunft doch noch für Clubmixe krallen wird. Die Reise der Band COMA von der Konzertbühne in den Club und zurück ist mit VOYAGE VOYAGE definitiv gelungen.

Interview
Survival Of The Hittest
auf Tour