JuJu Rogers: 7 Fragen, 8 Antworten

JuJu Rogers im Interview

Wenn JuJu Rogers rappt, hat man nicht das Gefühl, gerade Deutschrap zu hören. Nicht wegen der Sprache – das ganze musikalische Gewand, die Atmosphäre und jeder erzählerische Kniff klingen, als würde man dem nächsten heißen Geheimtipp aus den Staaten lauschen. Ist aber nicht der Fall – JuJu Rogers steht hierzulande bei Jakarta Records unter Vertrag, die zwar ein internationales Renommee genießen, aber in Berlin sitzen und in erster Linie als Indielabel für die Veröffentlichung von warmen, nischigen Bummtschack-Releases verantwortlich zeichnen.

JuJu Rogers veröffentlichte vor kurzem sein neues Album 40 ACRES N SUM MULA , das er auch live zum Besten geben wird. Im Februar begibt er sich gemeinsam mit Negroman auf die Black History Month Tour, für die 14 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz besucht werden.

Alle Tourdates und den Ticketvorverkauf findest du hier.

Frage 1:
Du rappst in Deutschland auf Englisch. Stößt du auf Widerstände?

Safe, Bruder! Ich glaube, man stößt immer auf Widerstände, egal was man macht. Zumindest, wenn man eine inhaltliche Position vertritt. Anfangs stieß mir viel Skepsis entgegen. Bei meinem Debütalbum FROM THE LIFE OF A GOOD-FOR-NOTHING habe ich gemerkt, dass die internationale Resonanz schon durch Jakarta Records von Anfang an da war. Da hat sich dann auch schnell das Narrativ umgedreht und mir wurde gesagt, ich hätte es leichter, international Fuß zu fassen. Bis zum heutigen Tage bin ich da zwiegespalten. Aber durchs Internet kann man heutzutage auch aus Deutschland heraus einen internationalen Markt erreichen, wenn die Qualität stimmt. Ich mache einfach, was sich natürlich anfühlt. Auf meinem kommenden Album habe ich aber auch einen Verse auf Deutsch geschrieben. 

Frage 2:
Mit dem Albumtitel 40 ACRES N SUM MULA münzt die Kompensation “40 Acres and a Mule”, die Sklaven nach ihrer Befreiung erhalten sollten, um. Das Cover zeigt den Häuptling des Young Seminole Hunters Stammes in traditionellem Gewand. Auch inhaltlich dreht es sich um Themen wie Sklaverei und Unterdrückung. Warum die starken Bezüge zur amerikanischen Geschichte?
 

Weil das mein Background ist – so bin ich aufgewachsen. Mein Vater ist African-American aus New Orleans und war in Deutschland als GI stationiert. Wir haben eine rieisige Familie, mein Vater hat 13 Geschwister, ich hab 300 Cousins in New Orleans. Ich bin zweisprachig aufgewachsen – in einer bayrischen Kleinstadt mit 10.000 US-Amerikanern auf 50.000 Schweinfurter. Die amerikanischen Einflüsse waren massiv. Aber ich sehe mich nicht gerne als einer bestimmten Nation angehörig. 

Frage 3:
Sound oder Inhalt – wenn du Abstriche machen musst, wo setzt du zuerst die Schere an?

Am Ende des Tages bin ich trotz allem ein hängengebliebener HipHop-Dude. Daher würde ich sagen, dass mir die Lyrics am wichtigsten sind. Ich würde aber gar nicht erst auf einen Beat gehen, auf dem ich mich nicht lyrisch entfalten kann. Das passiert ganz selten mal, dass ich auf einem Beat schreibe und merke, dass es nicht funktioniert. Abstriche bei den Lyrics zu machen, finde ich schwierig. Da würde ich ja auch ein Alleinstellungsmerkmal, das mich von der Masse abhebt, aufgeben müssen. Das kann ich nicht, Bruder.

Frage 4:
Anderes Gedankenspiel: Du darfst nie wieder BoomBap-Sound machen. Wie klingt deine Musik künftig?

(Lacht) Du bist ein Schwein, Bruder! Meine Musik klingt immer nach der Seele von Juju. Ich hoffe, ich kann den Leuten durch meinen Sound ein authentisches Bild von mir vermitteln. Ich glaube, in LOST IN TRANSLATION kannst du denselben JuJu hören wie in FROM THE LIFE OF A GOOD-FOR-NOTHING, obwohl das soundästhetisch denkbar weit weg voneinander ist. Jetzt ist das auch wieder so. Für 40 ACRES N SUM MULA habe ich auch schon so ein Feedback bekommen, obwohl ich wieder etwas anderes gemacht habe. Ich spiele da sogar Trompete drauf. Wir haben da eh diesmal fast nur Livemusik drauf, Grammy nominierte Jazz-Pianisten und Saxophonisten. Das sind Freunde von mir, die auch an das Projekt glauben. 

Frage 5:
Wie arbeitest du lieber: mit verschiedenen Produzenten wie auf
40ANSM oder lieber mit einem einzelnen Beatbastler, wie es bei den Projekten mit Figub oder Bluestaeb der Fall war?

Mit verschiedenen Leuten hat man mehr künstlerische Freiheit. Das macht mir tatsächlich am meisten Spaß. Bei FROM THE LIFE OF A GOOD-FOR-NOTHING habe ich zwar auch mit verschiedenen Producern gearbeitet, jetzt klingt aber alles noch vielseitiger. Die Produktion war auch wieder eine neue Erfahrung, das hat mir sehr gut gefallen. Ich versuche jeden Tag etwas Neues zu lernen und daran zu wachsen. 

Frage 6:
Du bist nicht nur ein begnadeter MC, sondern auch ein talentierter Sänger. Du könntest sicherlich auch Mainstream-tauglichere Musik machen. Warum tust du das nicht?


Gute Frage. Ich will sie dir ganz ehrlich beantworten: Es wäre eine Lüge, zu behaupten, ich würde mich nicht freuen, wenn mehr Leute meine Musik hören. Aber am Ende des Tages beeinflusst jede Facette eine andere. Die Musik, die ich mache, hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich glaube nicht an die Dinge, die man sagen muss, um im Mainstream zu landen. Ich bin mir sicher, die Gesellschaft und die Ordnung, die dahinter steckt, ist nicht interessiert daran, Musik wie ich sie mache zu pushen. Das ist eine Antithese zum Status Quo. Ich glaube, HipHop sollte immer noch eine Gegenkultur sein. Das, was im Mainstream passiert, ist viel zu sehr im Einklang mit einer Gesellschaft, die ich nicht akzeptiere. Eine ganz heftige Version von hängen gebliebenem Materialismus. Komische Vorstellungen von Glück. Diese Welt ist in der Realität so bitter, da kann ich mich nicht immer nur hinsetzen, Champagner auf Frauen spritzen, im Club die Sau rauslassen und tun, als wäre alles geil. 

Frage 7:
Auf 40 ACRES N SUM MULA sprichst du komplexe gesellschaftliche Themen an. Wenn du Musik machst, ist der Rahmen, in dem man derlei Themen elaborieren kann, naturgemäß sehr beschränkt. Wie weit kann man wichtige Inhalte deiner Meinung nach zugunsten der Kunst herunterbrechen, wenn man ihnen dennoch gerecht werden möchte?

Ich versuche das immer, soweit es möglich ist, in Interviews weiter zu vertiefen. Ich arbeite auch gerne mit Hints auf bestimmte historische Ereignisse, die die Leute dazu bringen, sich tiefergehend mit Inhalten auseinanderzusetzen. Beispiel: Auf dem Album ist der Song “10 Years a Slave”, der die Masseninhaftierung und den 13. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung thematisiert. Da werden unfassbar viele Menschen eingesperrt und gezwungen für kleines Geld auf Plantagen großer Konzerne arbeiten und Güter produzieren müssen. Das ist moderne Sklaverei. Die USA hat 4,39% der Weltbevölkerung aber 25% der Gefangenen weltweit. Das muss man doch irgendwie adressieren. Ich kann dir natürlich keine Antwort darauf geben, wie spezifisch man das im Optimalfall machen soll. Ich mache das, indem ich meine persönlichen Erfahrungen da einbaue, von meinem Cousin und meinem Neffen erzähle, der davon betroffen ist und hoffe, so Leuten Denkanstöße geben zu können. 

Frage 8 :
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Die Rebellion ist gerechtfertigt, Bruder! In der Welt, in der wir leben, ist die Rebellion gerechtfertigt. Nur weil wir hier im globalen Westen leben und eine von den wenigen Nationen sind, denen es wirklich gut geht, heißt das nicht, dass es keine Menschen auf der Welt gibt, die institutionalisierter und systematischer Gewalt nichts entgegenzusetzen haben. 

JuJu Rogers & Negroman – Black History Month Tour

Do 06. Feb – Hannover, Mephisto
Fr 07. Feb – Hamburg, Häkken
Do 13. Feb – Nürnberg, Z-Bau
Fr 14. Feb – Wien, im WERK
Sa 15. Feb – Innsbruck, Dachsbau
Fr 28. Feb – Leipzig, Naumanns
Sa 29. Feb – Oldenburg, Umbaubar
Fr 6. März – Karlsruhe, Substage
Sa 7. März – Köln, Helios37
Do 12. März – München, Milla
Fr 13. März – Würzburg, B-Hof
Sa 14. März – Offenburg, Reithalle
Do 19. März – Basel, Hirscheneck
Fr 20. März – St. Gallen, Flon