Komfortrauschen: „Wir mögen Dreck in der Musik“

7 Fragen, 8 Antworten mit dem Berliner Trio

Eine Punkband, die in einer Drum Machine gefangen ist – so beschreiben Komfortrauschen ihren Sound selbst. Das Berliner Trio hebt den Analog-Fetischismus auf das nächste Level und spielt elektronische Live-Sets in klassischer Rockband-Besetzung auf Schlagzeug, Gitarre und Bass – natürlich nicht ohne einen ganzen Fuhrpark an Effektpedalen und Geräten. Techno meets Rammstein meets Prodigy meets Afterhour.

Wer für Komfortrauschen „Next-Level-Shit“ ist, warum sie gerne mal einen Arm oder ein Bein mehr hätten und wo man sie vielleicht auch mal privat beim Raven erwischen kann, verraten sie in „7 Fragen, 8 Antworten“ – wie immer mit einer Antwort auf eine Frage, die wir gar nicht gestellt haben.

Frage 1
Könnt ihr euch an den Moment erinnern, in dem ihr euch in das Nachtleben verliebt habt, gab es sowas wie einen „Initiationsmoment“?

Klar, wir waren natürlich mit Techno und elektronischer Musik im Allgemeinen in Kontakt, bevor wir selber damit angefangen haben. Es gab zum Beispiel eine Party in einem Club in Dresden, auf der Marcel Dettmann aufgelegt hat. Das war Next-Level-Shit für uns! So einen kompromisslosen Sound kannten wir vorher nicht. 

Frage 2
Wohin geht ihr selbst aus und was war eure skurrilste Begegnung im Club?

Wir gehen sehr gern ins Sisyphos; den Club mögen wir, weil er musikalisch so offen ist. Und wir spielen da selber immer wieder gern. Ansonsten ist das ://about blank auch einer unserer Lieblingsläden. Grundsätzlich werden wir sehr oft gefragt, ob wir was verticken – ganz egal, ob wir gerade einen Auftritt gespielt haben oder ob wir selber nur Gäste sind. Das ist oft skurril, da wir, wenn wir spielen, oft nicht mal Alkohol trinken.

Frage 3
Wann und warum habt ihr Komfortrauschen gegründet, wie ist die Idee dazu entstanden?

Wir wollten Techno spielen (oder das, was wir damals so als Techno bezeichnet haben) und hatten aber weder von Drumcomputern noch von Programmen wie Ableton wirklich Ahnung. Aber wir konnten alle unsere Instrumente spielen. Daher kam die Idee es einfach mal in klassischer „Rockband-Besetzung“ auszuprobieren. Das hat soviel Spaß gemacht und Sinn für uns ergeben, dass wir dabei geblieben sind. Auch wenn wir jetzt sowohl Drumcomputer als auch Programme wie Ableton besitzen. Das ganze ist mittlerweile schon über fünf Jahre her, damals haben wir noch in Dresden gewohnt, wo wir studiert haben. 

Frage 4
Was bringt ihr mir eurem Livespiel in die Musik ein, was die Maschinen nicht können?

Deutlich mehr Schweiß! Nein, im Ernst: Wir können live deutlich mehr auf die Kacke hauen als das hinter einem DJ-Booth möglich wäre. Wenn man am Schlagzeug sitzt, sind viel größere Gesten möglich! Verglichen mit einem Live-Producer, der mit einer kleinen Handbewegung eine HiHat oder einen Clap zum Track hinzufügt, müssen wir viel mehr dafür tun. Das sieht das Publikum – und wir haben immer die Erfahrung gemacht, dass es spannend ist dabei zuzuschauen, wie etwas entsteht.  Bei unseren Liveshows ist dadurch immer auch eine Prise Rock’n’Roll vorhanden, ganz steril wollen und können wir nicht. Es ist aber auch natürlich so, dass wir als Musiker naturgemäß nicht ganz so maschinell spielen können, rhythmisch ist unsere Musik dadurch schon variabler.

Frage 5:
Welche musikalischen Vorbilder habt ihr, wer inspiriert euch?

Gerade inspirieren uns Techno-Producer wie Schacke oder La Fraicheur, immer auch Modeselektor. Allerdings stehen wir auch auf Rockbands wie King Gizzard and the Lizard Wizard. Wir mögen Acid und wir mögen Dreck in der Musik. Wenn es angezerrt ist oder ordentlich auf die Mütze geht, ist das meistens ein Garant dafür, dass es uns gefällt. Aktueller Lieblinsgtrack: Kisloty People von Schacke.

Frage 6
Wenn ihr eine Superheldenkraft hättet, welche wäre das?

Mehr Effektgeräte bedienen zu können, als uns derzeit möglich ist. Also ein drittes Bein oder ein dritter Arm. Wäre wahrscheinlich eher unansehnlich, aber sehr praktisch. Wir müssen ja immer noch unsere Instrumente bedienen, während wir mit den Füßen zum Beispiel einen Filter bedienen. Da kann man leicht mal aus dem Gleichgewicht fallen.

7. Frage
Wenn ihr in eine beliebige geschichtliche Epoche zurückreisen könntet, welche wäre das und warum?

Wir sind zwar alle in den Neunzigern aufgewachsen, waren aber viel zu jung, um die Musikszene der Neunziger in Berlin aktiv zu erleben. Dahin würden wir sehr gern mal zurückreisen. Die Freiräume in dieser Zeit müssen unglaublich gewesen sein, und es ist Wahnsinn, was für eine Strahlkraft diese Epoche immer noch hat. 

Frage 8
*** **** *** ******* ** ********?

Wir essen derzeit wahnsinnig gern Bohnen. Die müssen auch nicht warm sein, solange es Nachos dazu gibt. Da unser neues Studio aber einen Teppichfußboden hat, stehen wir vor dem Dilemma, diesen Fetisch nicht mehr in unserem Studio ausüben zu können. Gute Nachricht: Neben unserem Studio ist „Kunzes Imbissbude“, dort gibt es feinste Berliner Hausmannskost, das ist fast so gut wie Bohnen.

Komfortrauschen spielen am 13. November beim INTRODUCING – neben Kean Farrar und KIDSØ. Gemeinsam mit INTRODUCING und THE REED präsentieren wir hier fortlaufend die besten Newcomer. Mehr über das Format, das es bereits seit 2011 gibt, und einige Newcomer vor allen anderen auf dem Schirm hatte, findet ihr hier. Zur kostenlosen Anmeldung geht’s hier entlang.