Kris Baha: Cold-Wave Nostalgie und Retrofuturismus

7 Fragen 8 Antworten mit dem Wahlberliner

Man kann sich wirklich schwer vorstellen, dass der achtzigerverliebte Cold-Wave-Sound von Kris Baha in seiner sonnigen Heimat Melbourne genauso entstanden wäre, wie in seiner neuen Wahlheimat Berlin. Dort zog der DJ und Produzent 2015 hin, ließ sein altes Leben in Melbourne hinter sich und verarbeitete das neue zu seinem retrofuturistischen, von EBM und Post-Punk inspirierten Debütalbum PALAIS, das im September auf CockTail d’Amore Music erschienen ist.

Zum 10. Geburtstag der einflussreichen Berliner Partyreihe von Discodromo bringt das angeschlossene Label nun die Compilation NOTHING MATTERS WHEN WE’RE DANCING heraus, zu der Kris Baha auch einen Track beigesteuert hat. Im Interview spricht er über Australien-Klischees, die Anfangszeit in Berlin und verrät, warum er gerne mal mit seinem jüngeren Ich ins Gericht gehen würde.

Frage 1:
Du hast die meiste Zeit deines Lebens in Melbourne gelebt. Was ist klischeemäßig das „Australischste“ an dir? 

Ich bin in der Tat dort aufgewachsen und 2015 nach Berlin gezogen. Ich bin wahrscheinlich dennoch ziemlich „untypisch“, was australische Klischees anbelangt. Mir fällt es aber zum Beispiel schwer keine Abkürzungen zu benutzen. Das ist ein sehr australisches Ding. 

Frage 2:
Wieso bist du nach Berlin gezogen und wie hast du die erste Zeit hier erlebt? 

Ich bin nach Berlin gezogen, weil mich die Stadt aus der Ferne immer angezogen hat. Ich musste dem nachgehen, weil ich hoffte, dass die Leute hier verstehen würden, was ich mit meiner Musik ausdrücken möchte. Ich hatte das Gefühl, in Australien hat niemand verstanden, wo ich musikalisch herkomme. Klar gab es Höhen und Tiefen, aber es war auf jeden Fall eine sehr spannende Zeit nach Berlin, nach Hause, zu kommen.

Frage 3:
Was liebst du am meisten an Berlin – was war deine größte Enttäuschung?

Ich liebe einfach den Alltag hier. Ironischerweise war meine größte Enttäuschung das Nachtleben damals. Doch das hat sich verbessert, weil die Stadt sich musikalisch weiterentwickelt hat.

Frage 4:
Du hast kürzlich dein Debütalbum PALAIS auf CockTail d’Amore Music veröffentlicht, das du in deinen ersten drei Jahren in Berlin geschrieben hast. Welche Orte und Umfelder haben dich dazu inspiriert? 

Hauptsächlich Berlin selbst, aber die Idee hinter dem Album war, dass ich einen Abschluss für mein altes Leben in Australien schaffen wollte. Einige Songs habe ich von unterwegs geschrieben, zum Beispiel „Defied“. Das habe ich während einer siebenstündigen Autofahrt zu einem Festival in Moskau arrangiert. 

Frage 5:
Du verwendest viele retrofuturistische Sounds in deiner Musik, man fühlt sich an die Achtziger und EBM-Pioniere wie DAF erinnert, ein bisschen Cold-Wave-Nostalgie und Post-Punk-Romantizismus. Welche Künstler*innen inspirieren dich?

Damit hast du den Sound dieser LP schon sehr gut zusammengefasst. Andere Künstler*innen, die mich inspirieren sind Hard Corps, Drab Majesty, Martial Canterel, Ortrotasce und Silent EM.

Frage 6:
Wenn du die freie Wahl hättest: Mit wem würdest du gerne mal essen gehen? 

Mit meinem jüngeren Ich. Und dann würde ich ihm sagen, dass er aufhören soll die ganze Zeit nur rumzuhängen und endlich mal Musik machen soll. 

Frage 7:
Wenn du eine Superkraft hättest, welche wäre das?

Hypnose.

Frage 8:
*** *** *** ** ***** ******** *******?

Die Vorhänge passen zusammen. 

Interview
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