Lxandra: Wenn Pop auf entlegenen Inseln gedeiht

7 Fragen, 8 Antworten mit der finnischen Bohemian-Pop-Newcomerin

Betrachtet man Fotos von Lxandra, wird man unmittelbar in eine Welt zwischen „Alice im Wunderland“ und Björk hineingezogen. Die finnische Newcomerin inszeniert sich mittels bunter, auch mal knalliger Outfits oder reduzierter Bohemian-Mode zu einer feenartigen Figur voller Geheimnisse. Die immer wiederkehrende Waldkulisse und die verspielten Accessoires wie pastellfarbene Donuts oder mit Blümchen überzogenes Porzellan verstärken die Annahme, man befände sich gerade fernab unserer Realität. Diese Mystik erlebt in den durchchoreografierten, teils schon düsteren Videos der Sängerin einen weiteren Höhepunkt, der von der tatsächlichen Kunst – ihrer Musik – nochmals untermalt wird.

Lxandra ist sich der Bedeutung der Selbstinszenierung im Pop bestens bewusst. Wenn man Künstlerinnen wie Lana Del Rey oder Sia als Vorbilder ansieht, muss im eigenen Schaffen alles abgestimmt sein, um am Ende ein großes Ganzes zu ergeben. Immerhin leben diese Frauen von ihrem Image, ihrer Darstellung und davon, die Botschaft in ihrer Kunst weit über die reine Musik hinaus zu verbreiten.

Erst kürzlich veröffentlichte die Sängerin ihre neueste Single „Dip My Heart In Confetti“ und nimmt uns wieder mal mit auf einen Trip in ihr Wunderland. Wir haben mit der aufstrebenden Künstlerin über Selbstinszenierung als Teil ihrer Musik gesprochen und darüber, wie prägend es für sie war, ihre finnische Heimat zu verlassen, um in Berlin ein neues Kapitel anzufangen. Auch dieses Mal wurde uns zum Schluss von „7 Fragen, 8 Antworten” eine Frage beantwortet, die wir gar nicht gestellt haben.

Frage 1:
Deine Vita klingt – analog zum Sound deiner Musik – wie aus einem modernen Märchenband: raus aus der heimischen Idylle und rein in den Großstadtdschungel. Schnell kam dann der erste Plattenvertrag. War das eine hoffnungsvolle Zeit?

Ich wollte einfach raus aus der Heimat, um Musik zu machen. In Berlin hatte ich ein paar Kontakte und dachte, das wäre sehr geeignet für einen Start. Erstmal wollte ich aber nur für drei Monate herkommen, einfach, um mich auszuprobieren. Inzwischen bin ich seit vier Jahren in hier, also läuft es wohl nicht so schlecht. Ich genieße Berlin sehr!

Frage 2:
Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer, besonders in einem neuen, fremden Umfeld. Wann haben denn die Dinge für deine musikalische Karriere ihren Lauf genommen?

Es gab absolut keinen Plan, keine Erwartungen – ich bin einfach hergekommen und wollte schauen, was sich ergibt. Mit der Zeit habe ich meinen Publizisten kennengelernt und nach ungefähr eineinhalb Jahren den Vertrag bei meinem jetzigen Label unterschrieben. Davor hatte ich bereits mit meinem Management gearbeitet. Ich habe tolle Menschen getroffen, mich darauf eingelassen, und tolle Dinge haben sich ergeben. Mit Höhen und Tiefen, aber es läuft gut.

„Wenn ich Leute verwirre, ist das auch nichts Neues – das habe ich schon immer getan.“

Frage 3:
Du kommst ursprünglich aus Suomenlinna, einer kleinen Inselgruppe in Finnland. Wie stark fließt der Widerspruch zwischen deiner Heimat und Berlin in deine Kunst mit ein?

Am Anfang habe ich von Berlin einfach so viel wie möglich aufgesogen! Es gibt so viel zu entdecken, es ist so viel los. Gleichzeitig kann man aber auch ganz für sich selbst sein, privat und anonym. Eine solche Menge an Menschen kannte ich vorher nicht. Weder von der Insel, noch von Helsinki. Klar, Hesinki ist die Hauptstadt von Finnland, aber trotzdem: klein. Zu Beginn wohnte ich in einem Bezirk in Berlin, wo sehr viel los war, ich fühlte mich wirklich in der Mitte des Geschehens. Das war definitiv sehr inspirierend. Mittlerweile lebe ich in einem anderen Stadtteil. Da ist zwar immer noch Einiges los, aber es erinnert etwas mehr an meine finnische Heimat. Berlin pulsiert, jeder verwirklicht sich zu jeder Tageszeit.

Frage 4:
Dein Sound wabert zwischen Bohemian-Pop und Alternative. Ohne große Vergleiche wagen zu wollen, fühlt man hier einen ähnlich dunklen Touch wie bei Lana Del Rey oder Florence + The Machine. Woher kommt diese Liebe zum Düsteren?

Es ist hart zu beschreiben. Beide Künstlerinnen inspirieren mich sehr, ich nehme den Vergleich daher als Kompliment an, danke! Der Bohemian-Touch kommt auf jeden Fall daher, dass ich in der Natur aufgewachsen bin. Sie ist mir sehr wichtig und hat mich als Künstlerin geformt. Berlin ist aber auch ein Ort der Bohème – auf eine ganz andere Art und Weise. Hier gibt es all die Partys und all die Drogen.

Frage 5:
Passend zur Musik scheinen deine Musikvideos streng kuratierten Konzepten zu folgen. Wie wichtig sind dir Selbstdarstellung und Image?

Das Image ist großer Teil meiner Kunst. Damit versteht man das gesamte Bild um mich herum. Manche Künstler mögen es vielleicht, wenn sie sich so zeigen, wie sie im Alltag aussehen. Ich dagegen liebe die Performance im Allgemeinen und genieße es, mich dann in den Videos und auch auf der Bühne darzustellen, sodass Musik und Auftreten zueinander passen. Ich spiele gerne Charaktere.

Frage 6:
Befindet sich hinter jeder Kunstfigur denn auch ein Teil deiner privaten Person?

Ich mochte schon immer das Zusammenspiel von Farben genauso wie das Verkleiden mit Kostümen. Mich verkleiden, Konzepte für Videos und Fotostrecken erarbeiten, einen Song schreiben: Das alles gehört als Musikerin dazu. Wenn ich damit Leute verwirre, ist das auch nichts Neues – das habe ich schon immer getan. (lacht)

Frage 7:
Kommen wir nochmal zurück auf die Finsternis in deiner Kunst. Was glaubst du, wo sie ihren Ursprung hat?

Jeder von uns besitzt eine gewisse Dunkelheit im Inneren. Jetzt gerade, während wir sprechen, bin ich gut drauf und: Yay! Aber es gibt auch die andere Seite. Das ist die, die ich versuche, herauszufordern. Außerdem mag ich gruselige Sachen. Daher kommt dann vermutlich auch diese fantasievolle, manchmal auch verspielte Welt, in die ich mich begebe. Da steckt viel Dunkelheit dahinter, aber auch Kindliches. Alles wirkt an Stellen etwas unschuldig, aber: Ist es das?

Antwort 8:

Ich befand mich anscheinend mitten in einer Videoproduktion und musste allerlei Dinge organisieren, gleichzeitig war mein Produzent einfach nirgends zu finden. Um mich herum waren so viele Menschen und der Ort an sich war riesig. Mittendrin habe ich dann versucht, alle miteinander zusammenzufinden. Ohne eine genaue Vorstellung darüber, warum ich das tun wollte. Das war sicher eine Reflexion vom Stress!

Ihr bekommt nicht genug von Lxandra? Ihre Debüt-EP ANOTHER LESSON LEARNED erscheint am 25. Oktober.

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