Pizzagirl: 7 Fragen, 8 Antworten

DIY aus dem Schlafzimmer voller Retrokultur

Der 21-jährige Liam Brown verkörpert alles, was einen waschechten DIY-Künstler ausmacht: kein wirklicher Instrumentalist, sondern einfach mal „GarageBand“ auf den Laptop geladen und losgelegt. Die ersten Tracks dann auf Soundcloud gepackt und abgewartet, was passiert. Oft gehen solche musikalischen Experimente im Dschungel des Internets ja schnell mal flöten. Außer, wenn man was wirklich Besonderes kreiert.

Das ist dem Musiker aus Liverpool allemal gelungen: Mit seiner 2018 erschienenen Debüt-EP, AN EXTENDED PLAY, nimmt uns Liam aka Pizzagirl mit auf eine Reise zurück in eine Zeit zwischen den 80er- und 90er-Jahren. Eine leichte Verspieltheit flirrt über seine von Synthesizern überzogenen Songs – Retro-Chic vom Feinsten.

Erst im Juli dieses Jahres veröffentlichte der Künstler ein schrilles, von Trash überzogenes Video zum Track „body biology“, das die musikalischen Visionen von DIY und 90er-Party-Vibe visuell unterstützen. Spätestens beim Schauen des Clips merkt man, dass es Pizzagirl trotz allem Witz und Ironie ernst meint mit der Musik.

Heute erscheint mit „dennis“ seine neueste Single. Passend dazu haben wir mit ihm über den bizarren Titelhelden des Songs gesprochen, sein bevorstehendes Debütalbum und den Drang zum Vergangenen. Wie immer wurde uns am Schluss auch eine Frage beantwortet, die wir gar nicht gestellt haben.

Frage 1:
Wie lautet eigentlich die Geschichte hinter dem Namen Pizzagirl?

Ich wurde das schon öfter gefragt, da sich die Frage natürlich auch anbietet. Ich habe schon darüber nachgedacht, mir eine lustige Geschichte dazu auszudenken. Tatsächlich wollte ich einfach nur einen seltsamen Namen haben. Eingefallen ist er mir dann durch Langeweile, auch weil mein echter Name meiner Ansicht nach nicht so richtig funktioniert hätte als Künstler. So entstand schließlich Pizzagirl. Leute um mich rum meinten, es wäre eine fürchterliche Idee – aber es funktioniert!

Frage 2:
Passend zum Namen funktioniert deine Musik auch sehr gut. Du vermischst darin schamlos 80er und 90er und lässt deine Zuhörerschaft damit regelrecht eine Zeitreise erleben. Woher kommt dein Interesse an diesen Sounds?

Ich glaube, Popkultur hatte da definitiv ihre Finger im Spiel. Vor allem US- amerikanische Filme aus den 80ern. Du weißt schon, wenn die Leute in ihren Autos sitzen, zur High School fahren und dazu ihre 80er-Jahre-Musik hören. Und die 90er waren generell schrill – was meine Musik auch beeinflusst. Außerdem finde ich die aktuelle Popkultur im Jahr 2019 etwas blass und farblos. Die 2000er beeinflussen mich da auch mehr. Alles war bunter.

Frage 3:
Deinen Gedanken kann ich sehr gut folgen, die bisherigen Songs hören und fühlen sich auch wirklich an, als hättest du sie diesen All-American-Teenie-Filmen einen eigenen Soundtrack verpasst. Hattest du da bestimmte Filme im Hinterkopf?

Ich muss der Frage da etwas ausweichen: Tatsächlich waren es mehr Musik-Ikonen aus den 90ern, die mich zu meinem Sound geführt haben! Nicht direkt die Filme, die daran erinnern. Janet Jackson oder Paula Abdul waren da ganz vorne mit dabei. All diese weiblichen Popstars, die zu der Zeit richtig groß waren. Aber auch Kelly Clarkson hat mich sehr inspiriert.

Ich liebe sie!

Ja, genau! Ich glaube, ich möchte durch meine Musik meinen Respekt gegenüber diesen Künstlerinnen zeigen, vor allem auf dem bevorstehenden Album.


Frage 4:
Einen Vorgeschmack auf das Album bekommen wir ja heute mit der Single „dennis“. Wer ist Dennis?


Yay! Es ist vermutlich der dümmste Song, den ich jemals gemacht habe! Dennis ist dieser ältere Typ, dieser straighte Gentlemen, der dein Mädchen oder deinen Typen ausspannt. Je nachdem, aus welcher Perspektive man den Song hört. Ich bin gespannt, wie die Leute auf diesen wirklich seltsamen Charakter reagieren werden und wie sie ihn aufnehmen.

Frage 5:
Diese Herangehensweise an Songs scheint recht spaßig zu sein – da steigt die Spannung auf das bevorstehende Album. Bleibt es denn bei ulkigen Charakteren, oder wird es auch mal etwas ernster oder persönlicher bei Pizzagirl?


„dennis“ ist trotz seiner Merkwürdigkeit ein persönlicher Song, auch wenn sich diese Ebene hinter dem eher idiotischen Text etwas versteckt. In jedem Song geht es um Gefühle und wie man diese verarbeitet, aber verschleiert in Up-Beats und guter Laune. „dennis“ ist tatsächlich ein gutes Beispiel dafür. Jedes Lied auf dem Album fühlt sich jedoch anders an. Es ist eine verrückte Mixtur aus Sounds, die zusammenschmelzen. Sehr bunt. Es wird 80s und 90s-Vibes geben – und irgendwo dazwischen auch 2019-Pop. Zu jedem Song wird es dann ein unterschiedliches Outfit geben. Auf die Klamotten von damals stehen wir ja auch alle.


Frage 6:
„Damals“ spielt im Pop immer wieder eine Rolle. Ob es Revivals in der Mode oder auf musikalischer Ebene durch Huldigungen sind, wie in deinem Fall. Sehnst du dich denn nach etwas, das dir unsere heutige Zeit nicht bieten kann?


Das ist eine gute Frage. Es ist diese Idee von etwas Bunterem, die ich mit der Vorstellung von dieser Zeit verbinde. Ich bin 1998 geboren und habe jetzt kein Buch über die 80er oder 90er durchstudiert, sondern einfach das aufgenommen, was mir über den Weg gelaufen ist. Die Menschen von heute beschäftigen sich immer noch mit dieser Zeit und versuchen es durch Kleidung oder auch Musik wieder ins Leben zu holen. Ich bin einer davon.


Frage 7:
Darf sich dein Publikum also auf schrille Outfits gefasst machen?

Über die Rolle der Outfits bin ich mir definitiv bewusst. Double-Denim steht auf jeden Fall auf der Liste! Und weitere tolle typische 90er-Accessoires. Bisher gab es ja nur mich und meinen Laptop, wenn es um die Performances ging. Mittlerweile habe ich ein paar Jungs kennengelernt, die mich mit Bass und Schlagzeug unterstützen werden. Sie werden sich mir da sicherlich auch anpassen, damit alles seinen Rahmen hat. Ansonsten bin ich dann wie immer laut und präsent auf der Bühne. Da freue ich mich schon drauf!

Antwort 8:
Da muss man praktisch denken. Schnell an Land und mächtig im Wasser – eine Gazelle mit dem Körper einer Meerjungfrau.

FIRST TIMER, das Debütalbum von Pizzagirl, erscheint am 11. Oktober.

Ihr wollt Pizzagirl mal live erleben? Klar!
21.11.19 – Auster-Club, Berlin Tickets
22.11.19 – Yuca, Köln Tickets

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