Releases der Woche

Von Lana Del Rey bis SiR, von Ezra Furman bis Hesitation Wounds

KAI EMPFIEHLT:
NORMAN FUCKING ROCKWELL VON LANA DEL REY (INTERSCOPE)

Lana Del Rey ist weder Popstar, noch Alternative Queen – sie schwebt dauerhaft zwischen beiden Sphären. Schon seit Beginn ihrer Karriere verkörpert die Sängerin eine Kunstfigur voller Nostalgie, Mystik und Coolness. Ob ihre romantisch-melancholischen Songs dabei autobiografisch oder einfach rein fiktiv sind, bleibt seit ihrem Durchbruch 2011 mit „Video Games“ ein Rätsel. Mittlerweile stört das kaum jemanden mehr, denn die Künstlerin schafft es immer wieder, mit ihrer Musik tiefe Gefühle zu erzeugen. Die können schwer sein, aber auch ganz leicht, erdrückend, aber zugleich hoffnungsvoll. Norman Rockwell, Titelheld des Albums, war übrigens erfolgreicher Maler und Illustrator der Americana-Bewegung, seine Werke galten als amerikanisch-patriotisch. Ihre Vorliebe zum Spiel mit dem American Dream hat Lana Del Rey offensichtlich nicht verloren.

Simon Empfiehlt:
CHASING SUMMER VON SIR (RCA)

Wie der Titel schon verrät, handelt SiRs zweites Album von der Sehnsucht nach unbeschwerten Laissez-faire und wohlig-warmen Gefühlen im Bauch. Da der Weg dort hin alles andere als geradlinig verläuft, verarbeitet der TDE-Crooner seine Erlebnisse in Geschichten von Liebe und Schmerz. Beim Hören von CHASING SUMMER hat man allerdings das Gefühl, dass es das Schicksal wohl nicht allzu gut mit dem Neo-Soul-Sänger aus Inglewood meint. SiR befindet sich ständig zur falschen Zeit am falschen Ort, wartet auf Anrufe seiner Femme fatale, die nie getätigt werden und sehnt sich nach Zuständen, die niemals eintreten – das Konjunktiv-Game auf der Platte ist strong. Selbst mit der hochkarätigen Unterstützung von Labelboss Kendrick Lamar, Smino, Kdhja Bonet und Jill Scott will aus dem Sommerflirt einfach nicht mehr werden. Da hilft dann nur eins: Zurück nach „LAdie erste und einzig wahre Liebe. 

Laura empfiehlt:
TWELVE NUDES von Ezra Furman (Bella Union)

Radikale Zartheit: Eine Rock’n’Roll-Band, deren Sänger in Lippenstift und bodenlangem Kleid darüber singt, dass er seine Unschuld an einen Jungen namens Vincent verloren hat, lässt auch 2019 irgendwie noch aufhorchen. Umso wichtiger, dass es den Chicagoer Ezra Furman gibt. Nach dem grandiosen TRANSANGELIC EXODUS schiebt er (neben dem Soundtrack für die Netflix-Serie „Sex Education“) nur ein Jahr später TWELVE NUDES nach. Etwas rougher, doch genauso getrieben und voller Ohrwürmer. Ezra singt „I Wanna Be Your Girlfriend“. Wir sagen: Yes, please!

Christina Empfiehlt:
CHICANERY VON HESITATION WOUNDS (DEATHWISH Inc.)

Die Namen hinter Hesitation Wounds sind vielleicht größer als die Band selbst: Hier spielen (ehemalige) Mitglieder von Touché Amoré, The Hope Conspiracy, Trap Them und Gouge Away – kann ja nur gut werden. Geschrieben und aufgenommen innerhalb weniger Tage, ist das zweite Album des All-Star-Projekts ein impulsiver, roher Ausbruch, der gerade dank seiner Ungeschliffenheit und Unmittelbarkeit mitten in die Magengrube trifft.

Laura empfiehlt:
POWERNAP von Ilgen-Nur (Power Nap)

Mit ihrer Coming-of-Age-Hymne „Cool“ katapultierte sich Ilgen-Nur 2017 von null auf hundert ins Herz der Hamburger Indiewelt und gleich mal ins Vorprogramm von Tocotronic. Mit POWER NAP liefert die Slackerqueen nun das vielleicht lässigste Debütalbum des Jahres: Selbstbewusst cruist sie in einem fetten Mustang durch die Nacht, singt über die Berliner Queer-Bar Silver Future und die eigene Lethargie. So geht Indie 2019.