Releases der Woche

Von Post Malone bis Barns Courtney, von Octo Octa bis Mizmor

Skinny empfiehlt: Hollywood’s Bleeding von Post Malone (Republic)

Ein neues Album von Post Malone heißt: Schöne Melodien auf edlen Beats. Mal traurig, mal heiter, zuweilen sogar überraschend, etwa wenn  der „White Iverson“ plötzlich Ozzy Osbourne aus dem Hut zaubert.

KAI EMPFIEHLT: 404 VON BARNS COURTNEY (VIRGIN)

Die Reise des jungen Briten vom naiven Songschreiber zum professionellen Musiker war ein einziger Höllenritt. Der erste Vertrag mit einem großen Major Label wurde plötzlich aufgelöst, das Budget für sein Debütalbum schnell verprasst, noch bevor die ersten Tracks aufgenommen wurden. Letztendlich hat dem ambitionierten Tagträumer sein Talent zum Kreieren von mitreißenden Pop-Rock-Hooks Werbedeals eingebracht, die sein Label dann wohl doch beruhigt haben. Barns Courtney wurde erwachsen, ohne es wirklich zu wollen. All diese Gefühle wurden nun auf 404 verarbeitet. Herausgekommen ist eine energische, wohltuende Kollektion von Songs, die von Anfang bis Ende mitreißen. Mal verspielt, mal ernst – für Fans von klassischem Brit-Pop definitiv ein Highlight der Woche.

Laura empfieHlt: RESONANT BODY von Octo Octa (T4T LUV NRG)

Dass House weit mehr ist als der Soundtrack zum gedankenlosen Die-Nacht-Durchraven beweist kaum jemand so gut wie die New Yorker DJ und Produzentin Maya Bouldry-Morrison aka Octo Octa. Verarbeitete sie auf den beiden Vorgängeralben BETWEEN TWO SELVES (2013) und WHERE ARE WE GOING? (2017) die Selbstzweifel und Identitätsfindung während ihrer Transition, scheint sie jetzt mit RESONANT BODY bei sich selbst angekommen zu sein. Ravige Breakbeats, hochernergetische House-Jams und Dancefloor-Banger mit mal emotionalen, mal politischen Vocals senden eine klare Botschaft für Selbstliebe und Toleranz. Empowerment-House at it’s best!

Simon empfiehlt: MIRRORLAND von EarthGang (Dreamville/Interscope)

Die lange Wartezeit hat ein Ende – EarthGang droppen mit MIRRORLAND ihr drittes Studioalbum. Knapp zwei Jahre haben sich Olu und WowGr8 für ihr Langspieler-Debüt auf J. Cole’s Label Dreamville Zeit gelassen. Mit steigender Wartezeit wuchsen auch die Erwartungen an das Rap-Duo, denn unlängst wurden die Stimmen lauter, dass es sich bei den Dreamville-Schützlingen um den nächsten großen Exportschlager aus Atlanta handelt. Wird MIRRORLAND den Vorschusslorbeeren gerecht? Aber Hallo! EarthGang zeigen auf dem Album, dass sie sich in keine Schublade stecken lassen, brechen mit dem trappigen, von 808s geprägten Zeitgeist und nehmen den Hörer mit auf eine verschrobene und verspulte Achterbahnfahrt durch ihr Atlanta. MIRRORLAND lebt vom Brechen mit Genre-Grenzen, seinem vielseitigem Soundbild, auf dem Olu und WowGr8 mit ihrem facettenreichen Skill-Set überzeugen. Die beiden MCs stehen zu ihrer Weirdness und versprühen konstant pure Energie auf ihrer LP. Die kann man diesen Monat übrigens auch schon live erleben: EarthGang spielen am 15.9. in Berlin (Festsaal Kreuzberg), am 17.09. in Köln (CBE) und am 21.9. in Frankfurt (Zoom). Tickets gibt es hier.

KAI EMPFIEHLT: SAVES THE WORLD VON MUNA (RCA)

Ex-Boyband-Praline Harry Styles sorgte 2017 für positive Schlagzeilen bei der Ankündigung, dass die rein weibliche, damals noch recht unbekannte Gruppe Muna den Support für seine Tournee übernimmt. Queer waren alle drei auch noch! Das Publikum hat den elektronischen Synth-Pop der Band natürlich sofort ins Herz geschlossen. Es folgte ein massiver Hype, woraufhin die Musikerinnen aus LA ihre erste Headliner-Tour restlos ausverkauft haben. Danach wurde es plötzlich still um das Trio. Im Juni dieses Jahres folgt dann das erste Lebenszeichen mit dem Track „Number One Fan“. Verarbeitet werden darin die Ruhe nach dem turbulenten Sturm des Tour-Lebens und die dabei entstandenen psychischen Schäden. Eine satirische Dance-Pop Nummer über die allzu berüchtigten, schnell vergangenen 15 Minuten Ruhm. Der verspielte, von Disco angehauchte Sound überrascht und klingt nach einer willkommenen Abwechslung im Repertoire der Band. Auf SAVES THE WORLD machen Muna dann dort weiter, wo sie 2017 auf ihrem Debüt ABOUT U aufgehört haben: mit dynamischen, mitreißenden Hymnen zum Augen schließen und Welt vergessen. So befreiend kann Selbstfindung klingen. 

Christina empfiehlt: CAIRN von Mizmor (Gilead)

Mit YODH hatte Mizmor 2016 mal eben eines der besten Blackened-Doom-Alben der jüngeren Vergangenheit geschaffen. Der lediglich als A.L.N. bekannte Musiker hinter diesem Ein-Mann-Projekt widmet sich nun auf CAIRN mit gewohnt erdrückender Grandeur und Schwere der Sinnlosigkeit des Seins im Geiste von Albert Camus. Für ihn ist das Leben eine endlose Wüste – entsprechend spröde und träge schleppen sich diese Mammut-Songs aus den Boxen, mal von gleißenden Riffs durchfahren, mal von stürmischen Blastbeats durchwirbelt.

KAI EMPFIEHLT: SOMETHING LIKE A WAR VON KINDNESS (FEMALE ENERGY)

Es mag scheinen, als hätte Adam Bainbridge aka Kindness eine mehrjährige Schaffenspause eingelegt seit dem 2014 erschienenen Album OTHERNESS. Die musikalische Stille täuscht, denn als DJ war Kindness weltweit unterwegs, auch im Studio wurden Größen wie Solange, Blood Orange oder Robyn tatkräftig unterstützt. Letztere ist auf zwei Stücken des Albums zu hören, auch Seinabo Sey und die US-amerikanische MC Bahamadia haben einen Gastauftritt. Hinter SOMETHING LIKE WAR steckt jedoch mehr als eine top kuratierte Kollaboration: Adam erlebte auch einen persönlichen, intimen Wandel und nutzt mittlerweile das non-binäre „they“ als Pronomen. Veränderungen wurden erlebt, Geschichten mussten erzählt werden. Verarbeitet wurden sie in Form von atmosphärischen Electro-Tracks, experimentellen R’n’B- oder auch HipHop-Stücken. Die Liebe zum genreübergreifenden Sound ist bei Kindness definitiv nicht verloren gegangen über die Jahre. Kein Wunder: Trotz neuer Gender-Identität bleibt man ja dennoch derselbe, sehr talentierte Mensch. Für 2020 stehen übrigens schon zwei Live Auftritte fest: am 27.01. in Berlin (Lido) und am 04.02. in Hamburg (Uebel und Gefährlich). Tickets gibt es hier.