Releases der Woche

Von Charli XCX bis BHZ, von Metronomy bis Being As An Ocean

KAI EMPFIEHLT: CHARLI VON CHARLI XCX (ATLANTIC RECORDS)

Charli XCX ist ein Extremfall der Pop-Industrie. Mitverantwortlich für weltweite Chart-Überflieger wie „I Love It“  (Icona Pop) oder „Fancy“ (Iggy Azalea), festigte die britische Künstlerin aus Hertfordshire bereits zu Beginn ihrer Karriere ihren Namen als Hit-Schreiberin. Mit ihrem ersten Major-Release SUCKER konnte sie 2014 dann auch mit zwei Solo-Singles für Wirbel sorgen – „Boom Clap“ und „Break The Rules“. Danach verließ Charlie XCX die durchtaktierte Mainstream-Industrie und veröffentlichte nach Lust und Laune Singles, EPs oder Mixtapes voll von spannendem, experimentellem Pop-Sound.

Ihr drittes Album, CHARLI, reiht sich zwischen beiden Welten ein: mal eingängig produzierte Dancefloor-Nummern („1999“„Blame It On Your Love“„Gone“), mal futuristische, nahezu ohrenbetäubende Monster („Click“, „Shake it“,„2099“). Neben zahlreichen Gastauftritten von u.a. Troye Sivan, Sky Ferreira, HAIM, Christine and the Queens oder Lizzo bleibt der Mut zum Experimentieren die größte Stärke von Charli XCX. Ihr Sound lässt sich problemlos dem zeitgenössischen Pop zuordnen, ohne glattpoliert oder erzwungen zu wirken. CHARLI ist der Soundtrack für alle da draußen, die mehr von Popmusik verlangen als durchgeplantes Hit-Potenzial.

Skinny empfiehlt: 3062 von BHZ (self-Release)

Die Lokalmatadore von BHZ liefern ihr zweites Album ab, das die Hoodrepresenter standesgemäß wieder nach einer Schöneberger Postleitzahl taufen. Die siebenköpfige Crew punktet wie gewohnt mit Sympathie, Authentizität und vor allem Facettenreichtum, der nie wahllos wirkt und trotz der Diversität in Sachen Inhalt, Sound und Attitüden ein nahtloses Bild aus einem Guss ergibt. BHZ zeigen, wie Untergrund 2019 klingen kann und soll, auch wenn die Jungs längst kein Geheimtipp mehr sind.

LaurA empfiehlt: Metronomy Forever von METRONOMY (Because Music / Caroline)

Wie könnte man ein Album schlecht finden, das einen ganzen Song „Salted Caramel Ice Cream“ widmet und dazu auch noch ein niedliches Video fabriziert? Eben. Soundmäßig blicken Metronomy eher zurück als nach vorne und liefern nostalgischen Electro-Pop für den ausklingenden Spätsommer. Wie immer der perfekte Dazwischen-Sound für Indie-Rocker, die heimlich auch mal raven gehen. Trotz einiger Hymnen ist METRONOMY FOREVER leider kein zweites THE ENGLISH RIVIERA. Die Indie-Kids von damals wird es aber wahrscheinlich trotzdem erfreuen.

Christina empfiehlt: PROXY: An A.N.I.M.O. Story von Being As An Ocean (self-release)

Es gab mal Zeiten, da wurden Being As An Ocean neben La Dispute und Listener als Heilsbringer des Spoken-Word-Post-Hardcores gefeiert. Doch mit PROXY: AN A.N.I.M.O. STORY haben sie den (nicht gerade ungewöhnlichen) Weg zu einem poppigeren Bombast-Sound und Pathos-rockigen Hooklines eingeschlagen. Der futuristische Vibe des Konzeptalbums wird passenderweise mit massenweise Synthies und Autotune vertont, nur um zwischendurch immer mal wieder dampfwalzenartige Riffs durch das Ganze zu jagen. Zu sagen, dass das nicht ganz schön oft an Bring Me The Horizon erinnert, wäre gelogen – aber diesem Vergleich können die Kalifornier getrost standhalten.

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