Releases der Woche

Von Tove Lo bis MC Bogy, von Kris Baha bis Cult Of Luna

Tove Lo Sunshine Kitty

Es wird ja oft von „Bad Girls“ im Pop-Geschäft gesprochen, doch wenn eine diesen fragwürdigen Titel verdient hat, dann Tove Lo. In ihrer 2014 veröffentlichten Debüt-Single „Habits (Stay High)“ offenbarte die Schwedin der Welt ohne Augenzucken ihren schonungslosen Selbstzerstörungsdrang und die Vorliebe zu harten Drogen. Man munkelte sogar, die Sängerin wäre bei einem ihrer letzten Auftritte hierzulande dermaßen drauf gewesen, dass ihre Stimme zeitweise streikte. Sind ja aber alles nur Gerüchte! Von denen gibt es im Pop mehr als genug. Unumstritten bleibt jedoch ihr Talent zum Verfassen von düsteren, rohen Songs, die unter die Haut gehen, oder auch mal leichten, vor Coolness spritzenden Dance-Tracks.

SUNSHINE KITTY ist voll von beidem: Mit „Mateo“ ist der Sängerin die wohl ehrlichste Liebeserklärung ihres künstlerischen Schaffens gelungen, der Closing-Track „Anywhere You Go“ kommt dem ebenfalls sehr nah. Auf „Bad As The Boys“ besingt sie gemeinsam mit der finnischen Künstlerin Alma so offen wie noch nie ihre Bisexualität und die freche Kollaboration „Really Don’t Like You“ mit Pop-Ikone Kylie Minogue ist so unterhaltsam wie überraschend. Tove Lo bleibt sich und treu und schenkt uns ein weiteres Werk voller Menschlichkeit, femininer Kraft und Bewegungsdrang.

MC Bogy & B-Lash New Jack EP

Der Hoodmovie-Klassiker „New Jack City“ hält nicht das erste Mal als Titel für eine deutsche Rapkollabo hin, ergibt aber bei MC Bogy und B-Lash sowohl inhaltlich als auch musikalisch Sinn. Onkel B bastelt nicht nur den feinsten Golden-Era-Sound, der trotz Rumpel-Swagger zeitgemäß und dramaturgisch spannend klingt, sondern gesellt sich (endlich) wieder hinters Mic und steht Bogy mit harten Streetrap-Parts und der ein oder anderen hitverdächtigen Hook bei. Dass der Atzenkeeper sich auf derartigen Produktionen wohlfühlt, ist wohl keine Überraschung. Dass er die üblichen Straßenthemen in unterhaltsam überspitzter Gangsterfilm-Manier glaubhaft wie kaum ein Zweiter transportieren kann, kommt ebenso wenig unerwartet. Die NEW JACK EP ist also genau das geworden, was die Vorab-Single „Yo!“ versprochen hat – auch wenn die das Highlight der sechs Songs darstellt.

Kris Baha Palais

Man kann sich schwer vorstellen, dass Kris Baha ein solch düsteres Debütalbum in seiner sonnigen Heimat Australien hätte produzieren können. Mit einer Mischung aus Cyberpunk, EBM und Industrial ist PALAIS eine Hommage an die Ursprünge elektronischer Tanzmusik, als man seine Wahlheimat noch „Mauerstadt“ nannte und analoge Drum Machines der neue heiße Scheiß waren. Doch obwohl man sofort DAF-Assoziationen hat, wenn schwitzige Darkrooms und Leder-verliebte Fetisch-Partys zur Inspirationsquelle werden, tappt Kris Baha nicht in die Retro-Falle. Stattdessen hört man auch die Entfremdung, Melancholie und eine gewisse Post-Punk-Romantik zwischen all der vermeintlichen Härte und Kälte. PALAIS wird so zum perfekte Soundtrack für den nahenden, unerbittlichen Berliner Winter, wenn man sich endlich wieder ohne schlechtes Gewissen in dunkle Clubs verziehen kann.

Cult Of Luna A Dawn To Fear

Cult Of Luna waren schon immer Grenzgänger; Visionäre dessen, was Metal abseits von Plattitüden und Klischees sein kann. Mit A DAWN TO FEAR, ihrem ersten Studioalbum seit 2013, hat die schwedische Schwermut-Institution ein monolithartiges Monument aus Heavyness und Melancholie erbaut, das (auch in ihrem Backkatalog) seinesgleichen sucht. Über 80 Minuten schrauben sich diese Songs aus dem tiefen Morast zum Himmel empor, brechen in sich zusammen, drehen und wenden sich. Immer wieder machen sich Intensität, Dichte und Detailverliebtheit bemerkbar – hier untermalt mal eine Orgel das Gegröhle von Johannes Persson, da flackert mal ein Glockenspiel durch die massiven Gitarrenwände. Das will und muss man sich einfach immer wieder anhören, um es zu begreifen.