Social House: "Wir sind nicht nur Arianas Freunde"

Das Duo spricht über Stalker vor dem Hotel und das Leben auf einer Welttour.

Michael „Mikey“ Foster und Charles „Scootie“ Anderson rücken immer mehr in den Vordergrund der Musikindustrie. Ihre Anfänge hatten die Künstler hinter den Kulissen als Songschreiber und Produzenten diverser Popgrößen wie Jennifer Lopez oder Meghan Trainor. Mit der Zeit formten sich Mikey und Scootie zu einem Duo und konnten ihre erste Single „Magic In The Hamptons“ als Social House in den Charts der USA platzieren.

Die verspielte R’n’B-Nummer mit Rapper Lil Yachty als Feature hat schließlich auch die Aufmerksamkeit von Pop-Prinzessin Ariana Grande geweckt und sie dazu veranlasst, die beiden Musiker mal ins Studio einzuladen. Entstanden sind dabei die weltweiten Hits „thank u, next“, „7 rings“ oder der gemeinsame Track „boyfriend“.

Nicht nur bei der Sängerin haben diese Songs eine neue Ära eingeläutet. Auch Social House waren über Nacht ein heißes Gesprächsthema in der Musikwelt. Dann die Nachricht: Die Newcomer sollen Ariana Grande auf ihrer „Sweetener World Tour“ als Support begleiten. Doch statt sich im Rampenlicht des vermeintlich schnellen Erfolges zu sonnen, veröffentlichte das Duo im August dieses Jahres lieber seine erste eigene EP. Mikey und Scootie stellen klar, dass sie bereit sind, das Studio zu verlassen und mit eigenem Material die Bühne zu erobern.

Auf EVERYTHING CHANGED erzählen die Musiker die Geschichte einer Beziehung von Anfang bis Ende – nur eben umgekehrt. Sie beginnt mit der Trennung und arbeitet sich vor – oder besser gesagt zurück – zu der rosaroten, schwer verliebten Phase kurz nach dem Kennenlernen. Ein intimer Einblick in die Dinge, die eine zwischenmenschliche Bindung zum Zerfallen gebracht haben. Die Frage nach der Schuld bleibt dabei nie außen vor. Und diese wollen Social House auf ihrer EP erforschen.

In unseren „7 Fragen, 8 Antworten“ sprechen die beiden Jungs über das Leben auf Welttournee, berichten von Stalkern vor Hoteltüren und darüber, ob sie sich gelegentlich von ihrer Kollegin Ariana Grande in den Schatten gestellt fühlen. Außerdem haben Mikey und Scootie am Ende des Gesprächs lange über eine Antwort gegrübelt, nach der wir nicht mal gefragt haben.

Frage 1:
Ihr habt euer Projekt 2018 gestartet und hattet mit
„Magic In The Hamptons“ gleich einen Nummer eins Hit in den USA. Kein schlechter Anfang für Newcomer. Kurze Zeit später tourt ihr um die ganze Welt. Erinnert ihr euch noch an eure erste Reaktion, als ihr erfahren habt, dass ihr Teil der „Sweetener World Tour“ sein würdet?

Scootie: Die allererste Reaktion war: „Was sollen wir denn da machen?“ (lacht)

Mikey: Das stimmt wirklich! Ariana und Scooter (Anm. d. Red.: Scooter Braun, Manager von Ariana Grande) haben uns eines Tages ins Studio gerufen und gefragt, ob wir Ariana auf der Tour begleiten wollen. Wir haben daraufhin gefragt, was wir denn dort machen sollen. Wir dachten, wir sollten vielleicht bei der Umsetzung der Beats für die Live-Shows helfen oder so. Wie waren vorher noch nie auf Tour – und dann kommt so ein Angebot!

Scootie: Ein verrücktes Gefühl.

Frage 2:
Die Tour umfasste mehr als 100 Konzerte weltweit. Genießt ihr denn jede einzelne Show gleichermaßen oder gibt es Abende, an denen sich ein Auftritt auch wie ein Job anfühlt?

Mikey: Jede Show ist unterschiedlich und ein neues Erlebnis, daher kann ich guten Gewissens sagen, dass ich jeden Auftritt wirklich genießen kann. Mit welcher Stimmung ich auf die Bühne gehe, hängt vom jeweiligen Tag ab. Wie die Umstände generell waren, wie viel ich geschlafen habe. Anders ist es, wenn man nach einem Auftritt die Bühne wieder verlässt. Das war bisher immer ein tolles Gefühl. Wie die Menge auf die Songs reagiert, die Songtexte kennt und mitsingt. Man fühlt sich gut aufgehoben.

Scootie: Jede Stadt hat ein anderes Publikum. Dadurch wird es nie langweilig. Die Stimmung in den Venues war immer sehr positiv und belebend. Das motiviert einen natürlich immer wieder selbst aufs Neue. Vor allem, da man uns als Social House noch nicht überall kennt. Als wir in Hamburg auf die Bühne gingen, mussten die Leute erstmal mit uns warm werden. Sie wussten glaube ich nicht so ganz, wer diese beiden Typen sind. Das Unwissen schlug aber schnell um in ein warmes Willkommenheißen und die Menge fing plötzlich an zu schreien und mitzufeiern. Einige Tage später, bei einem anderen Auftritt, kannte man uns wohl etwas mehr und die Schreie haben sofort angefangen. Solche Dinge machen deinen Job unvorhersehbar, also bleibt es durchgehend spannend.

Frage 3:
Wie ihr eben gesagt habt, befindet ihr euch gerade auf eurer ersten Tour. Doch statt kleinere Locations zu bespielen, ging es für euch sofort in ausverkaufte Arenen. Was denkt ihr, nachdem ihr vor tausenden von Menschen eine Show abgeliefert habt und dann wieder Backstage seid?

Mikey: Alles ist natürlich immer etwas verschwommen. Vor so vielen Menschen zu performen ist wahnsinnig intensiv. Meine ersten Gedanken kreisen aber auch genau um diese Leute. Ich frage mich immer, ob ich viele Gesichter gesehen habe, die glücklich aussahen. Die wir mit unserer Musik mitreißen konnten. Haben wir der Masse eine gute Zeit verschafft mit unserem Auftritt und konnten wir unsere Energie auf sie übertragen? Da denke ich denke in erster Linie dran.

Scootie: Ich denke an den Sound. Nach der Show frage ich Mikey erstmal, wie wir uns auf der Bühne angehört haben. (lacht)

Frage 4:
Was war die seltsamste Erfahrung, die euch bisher auf Tour widerfahren ist?

Beide überlegen.

Mikey: Oh ja! Da gab es wirklich was. Ich werde die genaue Stadt aber lieber nicht nennen. Ich ging raus, um in ein nahegelegenes Café zu gehen. Vor dem Hotel habe ich bereits diesen großen, etwas zwielichtigen Typen entdeckt. Sein Blick hat mich verfolgt. Er dachte wohl, ich hätte ihn nicht bemerkt, weil er sich hinter einem Baum versteckt hatte. Das Problem war nur, dass es ein sehr schmaler Baum war und man ihn dahinter sehen konnte. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, dann ist er mir jedoch um einige Blöcke gefolgt. Als ich dann schließlich im Café war und er vor dem Laden stehen blieb, wusste ich nicht wirklich, was ich machen sollte. Sollte ich ihn konfrontieren oder jemanden um Hilfe bitten? Dieser Typ wollte anscheinend auch nichts von mir. Hat mich weder angesprochen, noch sonst was. Er hat mich einfach nur verfolgt. Das war aber definitiv gruselig.

„Es zeugt in keinster Weise von Schwäche, wenn man ehrlich mit sich und seinen Emotionen ist.“

Frage 5:
Eure erste EP,
EVERYTHING CHANGED klingt wie persönliche Tagebucheinträge. Ihr schreckt nicht davor zurück, euch leidenschaftlich oder verletzlich zu zeigen. Das ist heutzutage immer noch nicht der Status Quo in der Musik von männlichen Künstlern, die oft noch den harten Macker verkörpern sollen. Versucht ihr bewusst gegen diese Verständlichkeit von Männlichkeit vorzugehen?

Mikey: Für mich, ich glaube, für uns beide, fühlt es sich einfach natürlich an, unsere Gefühle in der Musik zu verarbeiten. Es zeugt in keinster Weise von Schwäche, wenn man ehrlich mit sich und seinen Emotionen ist. Im Gegenteil: Ich finde sogar, es ist ein Zeichen von Stärke. Sie führt dazu, dass eine Beziehung funktioniert. Durch Ehrlichkeit, Kommunikation. Viele Menschen, unabhängig von Geschlecht, entscheiden sich oft dazu, ihre Gefühle für sich zu behalten. Das ist nicht immer gesund. Wir möchten gerne mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass man sich auch öffnen kann.

Scootie: Wir hören Musik, um uns miteinander zu verbinden. Das geschieht durch das Teilen von Gefühlen. Daher macht es einfach Sinn, auch über die eigenen Gefühle zu sprechen. Sie verändern dich, sie verändern alles.

Mikey: Außerdem ist der Titel gleichzeitig eine Referenz auf unser derzeitiges Leben. Da hat sich einfach einiges verändert in der letzten Zeit.

Frage 6:
Damit leitest du perfekt zu meiner nächsten Frage über: Ihr wurdet als Social House ziemlich schnell bekannt auf internationaler Ebene. Sehr viele Menschen erkennen euch, sind interessiert an euch. Plötzlich sind eure Gesichter in den Medien zu sehen. Wie verarbeitet man so einen Prozess?

Scootie: Wie du es in deiner Frage bereits beschreibst, ist es ein Prozess. Man muss sich daran gewöhnen. Wir waren sonst immer stark hinter den Kulissen tätig. Im Studio, bei Sessions, haben mit und für andere produziert. Man hat alles eher vom Hintergrund aus beobachtet. Jetzt sind wir mit unseren eigenen Sachen draußen. Wortwörtlich: Wir spielen unsere Musik da draußen vor Leuten und sie bekommen es mit, bekommen uns mit. Das ist ein enormer Unterschied.

Mikey: Die Tatsache, dass Menschen unsere Songs kennen und mitsingen, ist eigentlich der verrückteste Teil dabei.

Frage 7:
Obwohl das eurem Talent und Fleiß zu verdanken ist, verbindet man Social House in vielen Ländern, auch hier in Deutschland, vor allem mit Ariana Grande. Habt ihr manchmal die Befürchtung, dass euch das als eigenständige Künstler im Weg stehen könnte?

Mikey: Als man uns fragte, ob wir Ariana auf Tour begleiten wollen, gab es weder „7 rings“ noch „thank u, next“. Sie und ihr Team waren von dem Erfolg unserer Single „Magic In The Hamptons“ begeistert und fanden, die Kombination aus ihr und uns würde sich bei einer Liveshow gut ergänzen. Wir versprühen die gleiche positive Energie und das war ausschlaggebend für unser Zusammenkommen. Sie wollten uns aufgrund unserer Musik an Bord haben, daher fühle ich mich persönlich nicht in den Schatten gestellt.

Scootie: Natürlich war zu Beginn der Tour Arianas Publikum die Hauptzielgruppe unserer Musik. Wir haben schließlich eine Bühne mit ihr geteilt. Ihre Fans wurden dadurch auch an unsere Musik herangeführt. Mit der Zeit wurde deutlich, dass sie sich mit ihr und mit uns als Duo intensiver auseinandergesetzt haben. Dann wurden wir auch schnell immer mehr als individuelle Künstler wahrgenommen und nicht nur als Arianas Freunde.

Frage 8:
XXXX XXX XXXX XXXXXXXXXXX XXXXXXX, XXXX XXXX XXX XXXXXX XX XXXX, XXXXXX XXXX XX?

Beide denken lange darüber nach.

Scootie: Das ist echt knifflig. Ich entscheide mich für Rosenkohl.

Mikey: Spargel. Ich weiß nicht warum, aber es wäre Spargel.