Velvet Negroni: Vom Profi-Eiskunstläufer zum Genre-Bender

7 Fragen, 8 Antworten mit dem Rising-Star aus Minneapolis

Die Biografie von Jeremy Nutzman aka Velvet Negroni liest sich wie das Drehbuch eines Broadway-Musicals: Aufgewachsen als Adoptivkind in einer weißen, streng gläubigen Familie, war Profi-Eiskunstläufer und rutschte in die Drogensucht ab. Die einzig beständige Konstante in seinem Leben war und ist die Musik, mit der er seine Erlebnisse verarbeitet.

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Nutzman zählt zum harten Kern der Musikszene in Minneapolis und hat bereits unter zahlreichen Pseudonymen Musik veröffentlicht. Sein Stil lässt sich schwer in eine Schublade stecken. Der Musiker setzt sich gekonnt über Genre-Grenzen hinweg und vermischt Elemente von R’n’B, Pop, Funk und elektronischer Musik zu seiner ganz eigenen Kreation. Am 30. August diesen Jahres erschien sein Album NEON BROWN, mit dem er als Velvet Negroni all seine Facetten zeigt, die ihm bereits die Aufmerksamkeit von Tame Impala, Bon Iver und zuletzt von Kanye West und Kid Cudi beschert haben. Sein Song „Waves“ diente West und Cudi als Inspirationsquelle für die Hook von „Feel The Love“ auf ihrem gemeinsamen Album THE KIDS SEE GHOSTS. Bevor es für Negroni, den Rising-Star, das erste Mal auf Tour nach Europa geht, hat er uns – mal mehr, mal weniger ausführlich ein paar Fragen beantwortet. Aber halb so wild, wer noch mehr Persönliches über Velvet Negroni erfahren möchte, muss ohnehin seinen Lyrics lauschen!

Frage 1:
Jeremy, du bist in einem sehr konservativen und religiösen Haushalt aufgewachsen, wo du schon in jungen Jahren regelmäßig mehrere Stunden am Klavier üben musstest. Zusätzlich durfte bei dir Zuhause keine Popularmusik gehört werden. Wie kommt es, dass du trotz dieser Bürden nie deine Leidenschaft für Musik verloren hast?

Obwohl es sich bei beiden Dingen technisch gesehen um das Gleiche handelt, hatten beide Formen von Musik für mich eine völlig unterschiedliche Bedeutung. Die klassische Musik, die ich gespielt habe, war nur mein Versuch, die Komponisten, deren Werke ich studierte, so gut wie möglich zu wiederholen. Es gab überhaupt keinen kreativen Aspekt dabei, den ich später in weltlicher Musik fand.

Frage 2:
Du hast bereits mehrere Projekte unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht. Hast du dich als Velvet Negroni endlich musikalisch gefunden, oder ist es dir wichtig, verschiedene Alter-Egos für eine Vielzahl an musikalischem Output zu besitzen?

Ich würde sagen: beides. Ich glaube, ich habe mich selbst im Namen Velvet Negroni wiedergefunden. Ich bin mir aber auch sicher, dass es noch viele seltsame Nebenprojekte unter anderen Alter-Egos geben wird.

Frage 3:
Oft wird behauptet, dass einige der größten Musiker aller Zeiten nur solche musikalischen Genies sein konnten, weil sie ihre Inspiration unter dem Einfluss von Drogen fanden. Wie stehst du zu dieser Aussage?

Ich glaube, die Genialität und Einzigartigkeit der Werke dieser Künstler beruhen auf exakt den Umständen, denen sie bei der Erschaffung der Projekte ausgesetzt waren. Ich bin generell jemand, der an das Schicksal glaubt. Und fest davon überzeugt, dass die Dinge so ablaufen, wie sie sollten.

Frage 4:
Wenn ich mir deine Musik anhöre, habe ich das Gefühl, dass in deinen Lyrics immer ein Hauch von Melancholie mitschwingt.
Bist du jemand, dem es oft schwer fällt, die Gegenwart zu genießen und die Vergangenheit ruhen zu lassen?

Ja.

Frage 5:
Der Musikwissenschaftler Adam Harper hat kürzlich den Begriff „Scar-Tissue Music“ definiert: Musik, die von traumatischen biografischen Erfahrungen handelt und gleichzeitig als Prozess der Überwindung dieser Erlebnisse zu verstehen ist. Würdest du zustimmen, wenn jemand deine Musik in dieses Genre einordnen würde?

Ja.

Frage 6:
Trotz prominenter Rückendeckung bist du sehr bescheiden und lässt deine Musik für sich sprechen. Was bedeutet Erfolg für dich persönlich?

Ich würde Erfolg als eine gute Balance zwischen Nicht-Hungern-Müssen und Erfüllung beschreiben.

Frage 7:
Vage Annahme: Wenn man deinen Look betrachtet, könnte man vermuten, dass Dennis Rodman und Lenny Kravitz zu deinen Mode-Idolen zählen.

Ich denke, das ist eine sehr lustige Vermutung. Aber nein, ich habe keine Verbindung zu beiden und habe auch keine Mode-Idole.

Frage 8:
*** *** **** ******** ******* ********** *****?

Er ist eigentlich einer meiner engsten Freunde. Und das Witzige ist: Obwohl ich wusste, dass er in dem Restaurant als Koch arbeitet, habe ich ihn zuvor weder kochen, noch einen seiner vielen Tricks live gesehen.

Übrigens schaut Velvet Negroni im Zuge seiner Europa-Tournee auch in Deutschland vorbei. Tickets für die Berlin-Show am 03. November gibt’s hier.


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